Sternbild Kleiner Bär (Ursa Minor)

Das Sternbild Kleiner Bär hat die Form eines kleinen Wagens

Die hellen Sterne des Sternbilds Kleiner Bär formen einen kleinen Wagen, dessen Deichsel mit dem Polarstern am Ende auf den Himmelsnordpol weist. (Bilder: Uwe Reichert)

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Der Kleine Bär (lateinisch Ursa Minor) ist ein kleines, aber leicht aufzufindendes Sternbild am Nordhimmel, das den Himmelsnordpol umschließt. Es ist für alle Orte nördlich einer geografischen Breite von 25° Nord zirkumpolar, das heißt, es sinkt nie unter den Horizont.

Im Volksmund wird der Kleine Bär auch der Kleine Wagen genannt, weil seine sieben hellsten Sterne wie eine verkleinerte Ausgabe des Großen Wagens wirken – nur mit dem Unterschied, dass seine Deichsel anders herum gekrümmt ist. Seine Bedeutung erhält das Sternbild dadurch, dass in ihm der nördliche Himmelspol liegt, um den sich die Gestirne während der täglichen Rotation der Erde zu drehen scheinen.

Nur 0,65° vom nördlichen Himmelspol entfernt befindet sich der Stern Alpha Ursae Minoris (α UMa), ein Stern 2. Größenklasse, der das Ende der Wagendeichsel bildet. Im Umkreis von 15° am Firmament ist er der hellste Stern, so dass man ihn leicht auffinden kann. Wegen seiner Polnähe trägt er auch den Eigennamen Polaris. Umgangssprachlich wird er als Polarstern bezeichnet. Zieht man von ihm ausgehend eine Senkrechte zum Horizont, ergibt sich recht genau die Nordrichtung.

Wegen der Präzession der Erdachse befindet sich der Himmelsnordpol nicht immer in der Nähe von Polaris, sondern er vollführt mit einer Periode von rund 25 800 Jahren eine Kreisbewegung um den nördlichen Pol der Ekliptik. Bis zum Jahr 2100 wird der Pol noch näher an den heutigen Polarstern heranrücken und dann weniger als 0,5° von ihm entfernt sein.

Mit Hilfe des nördlichen Polarsterns Polaris lässt sich in der Nacht die Nordrichtung bestimmen, indem man von ihm eine senkrechte Linie zum Horizont zieht. Wenn der Große Wagen zu sehen ist, lässt sich durch Verlängern der Linie der beiden hinteren Kastensterne Polaris leicht auffinden.

Mit Hilfe des Großen Wagens lässt sich leicht der Polarstern finden, indem man die gedachte Verbindungslinie zwischen den beiden hinteren Kastensternen des Großen Wagens etwa fünfmal verlängert. Eine senkrechte Linie von Polaris zum Horizont gibt die Nordrichtung an. (Bild: Uwe Reichert)

Besondere Himmelsobjekte

Gut zu wissen!

Bestimmung der visuellen Grenzhelligkeit

Das Sternbild Ursa Minor ist von den meisten Gebieten der nördlichen Hemisphäre aus das gesamte Jahr über sichtbar und steht immer nahezu gleich hoch über dem Horizont. Deshalb eignen sich seine Sterne sehr gut, um die visuelle Grenz­größe zu ermitteln. Das ist diejenige Sternhelligkeit, die das Auge unter den gegebenen Beobachtungsbedingungen gerade noch wahrzunehmen vermag. Die Anzahl der Sterne, die man sehen kann, hängt nämlich sehr von den atmosphärischen Bedingungen und der Aufhellung durch natürliche oder künstliche Lichtquellen ab. Nächte, die so klar und dunkel sind, dass man mit bloßem Auge Sterne der 6. Größenklasse erkennen kann, sind sehr selten geworden. Meist rufen Wassertröpfchen und Staubpartikel in der Luft einen Dunstschleier hervor, der die Sicht merklich behindert. Der Mond und jede Art von künstlicher Beleuchtung bewirken dann eine starke Aufhellung des Nachthimmels, weil ihr Licht an diesen Partikeln gestreut wird.

Zur Ermittlung der Grenzgröße für das Auge kann nebenstehendes Bild dienen. Mit einer visuellen Helligkeit von +2,0 mag ist Polaris der hellste Stern im Sternbild Kleiner Bär; seine Helligkeit schwankt allerdings leicht um etwa 0,1 mag, da er zu dem Veränderlichen-Typ der Cepheiden gehört. In einer klaren, dunklen Nacht sollten auch noch Sterne mit +5,5 mag gut erkennbar sein.

Für die Prüfung der wahrnehmbaren Sternhelligkeit ist zu beachten, dass das Auge seine volle Lichtempfindlichkeit erst nach etwa 45 Minuten Aufenthalt in der Dunkelheit erreicht (in dieser Zeit steigt die Empfindlichkeit um das 200 000-Fache). Zudem lassen sich lichtschwache Objekte besser erkennen, wenn man sie nicht direkt anblickt, sondern knapp vorbei schaut.

Mit den hier angegebenen Helligkeiten der Sterne im Sternbild Kleiner Bär (Ursa Minor) lässt sich prüfen, welche Grenzgröße das Auge in der Nacht noch erkennen kann.

Mit den hier angegebenen Helligkeiten der Sterne im Sternbild Kleiner Bär (Ursa Minor) lässt sich prüfen, welche Grenzgröße das Auge in der Nacht noch erkennen kann. (Bild: Uwe Reichert)

Ursprung des Sternbilds Kleiner Bär

Kartenblatt aus dem Sternatlas von Johannes Hevelius mit dem Sternbild Kleiner Bär

Das Sternbild Ursa Minor in der Darstellung von Johannes Hevelius (1611-1687). Der Danziger Astronom hatte die Karten für seinen 1690 posthum erschienenen Atlas selbst gestochen. Im Gegensatz zu anderen Himmelskartografen stellte Hevelius die Sternbilder seitenverkehrt dar – also so, wie sie auf einem Himmelsglobus erscheinen würden, den man von außen betrachtet. (Aus: Johannes Hevelius, Sternenatlas, russische Ausgabe, Taschkent 1978)

 

 

Im frühen Griechenland (vor etwa 600 v. Chr.) galt Ursa Minor noch nicht als eigenständiges Sternbild; seine Sterne wurden vielmehr als „Flügel“ zu dem Drachen hinzugerechnet. Womöglich stammt es von phönizischen Seefahrern, die es als Navigationshilfe nutzten. Damals lag der Himmelsnordpol noch nicht in der Nähe des heutigen Polarsterns, sondern oberhalb des Rückens des Bären, etwa in der Mitte zwischen Polaris (Alpha Ursae Minoris) und dem Stern Thuban (Alpha Draconis). Thales von Milet (um 625–547 v. Chr.) soll das Sternbild Kleiner Bär von den Phöniziern übernommen und in die griechische Astronomie eingeführt haben.

Für einen Ursprung außerhalb Griechenlands spricht auch der Umstand, dass mit Ursa Minor keine bedeutenden griechischen Mythen verbunden sind. Die Überlieferungen antiker Autoren lassen darauf schließen, dass verschiedene regionale Erzählungen miteinander verwoben wurden.

Einer Variante der Kallisto-Legende zufolge soll der Kleine Bär Arkas darstellen, den Sohn dieser Nymphe, den sie von Zeus empfangen hatte. Kallisto selbst ist als Großer Bär an den Himmel gelangt. Und das kam so: Aus Rache für die Untreue ihres Göttergatten hatte die stets eifersüchtige Hera die Nymphe Kallisto in eine zottige Bärin verwandelt, die fortan die Wälder durchstreifte. Arkas begegnete als Jüngling auf der Jagd eben dieser Bärin, nicht ahnend, wer sie war. Zeus in seiner Allmacht wusste den Muttermord zu verhindern, indem er beide zum Himmel hinauftragen ließ, wo er Kallisto als Ursa Major (die „Große Bärin“) und Arkas als Bärenhüter Bootes verewigte. In einer Variante dieser Geschichte verwandelte Zeus auch Arkas in einen Bären und schleuderte Kallisto als Großen und Arkas als Kleinen Bären an den Himmel. Zeus muss dabei wohl nach Art eines Hammerwerfers vorgegangen sein, der die beiden Bären am Stummelschwanz packte und dann ordentlich Schwung holte. Denn nur dadurch wäre zu erklären, dass die Schwänze der beiden himmlischen Bären zu ihrer übernatürlichen Länge auseinandergezogen wurden.

Eine andere Überlieferung identifizierte den Großen und den Kleinen Bären mit Helike und Kynosura, den beiden Ammen, die den Göttervater Zeus in Kreta aufgezogen haben sollen. Aus dieser Geschichte würde sich immerhin erklären, warum es sich gemäß der lateinischen Form ursa um zwei Bärinnen am Himmel handelt. Auch die englische Bezeichnung Cynosure, die mitunter für das Sternbild Ursa Minor bzw. den Polarstern verwendet wird, leitet sich aus dieser Geschichte ab.